Die kleinen Geschichtendes Walther Wachtel




Der Autokauf



Es kam die Zeit, wo Walther hat
wie viele Leut´ das Laufen satt.
Und Marie´s Suppe, leicht verwässert,
hat Walther´s Laune nicht verbessert.
Er schreit sie an, vor Wut schon blau:
"Bevor ich diesen Jabbel kau´,
eß ich schon lieber Kabeljau!

Ich brauch was", quillt es dann hervor,
"zum Fortbewegen mit Motor.
So´n Ding mit Rädern, Tür´n und Scheiben,
man kann beim Fahren sitzen bleiben,
bleibt trocken auch an nassen Tagen..."
Marie wirft ein: "Du meinst´n Wagen!"

Von diesem Geistesblitz geblendet,
sich Walther von dem Tisch abwendet.
Er will sich aus der Ecke zwängen,
bleibt prompt auch an der Decke hängen
und wirft das ganze Mittagessen,
als wollt´ er sich im Weitwurf messen,
mit einem Mal auf das Parkett.

Dies findet Marie gar nicht nett.
Sie schreit ihn an: "Natürlich Wachtel!"
Er sagt: "Halt´s Maul, du dumme Schachtel!"
und eilt, da´s ihn zum Handeln drängt
zum Hausflur, wo sein Mantel hängt.

Da, wenn er in den Fahrstuhl steigt,
dieser dann meistens stecken bleibt,
denkt er sich "Wenn´s sein muß,

geh´ ich das kleine Stück zu Fuß,
Trimm-dich gehört zum guten Ton,
18. Stock, was ist das schon!?!"
Doch nach dem Marsch durch die Geschosse
bleibt auf der Treppe letzter Sprosse
sein linker Absatz plötzlich hängen.
Er will sich retten, wächst um Längen...
doch knallt er, kann es nicht verhindern,
auf seinen kleinen Wachtel-Hintern.

Daß dies den Mißmut nur noch stärkt,
man später dann bei Opel merkt,
denn aus diesem Autohaus
flog er nach dummen Sprüchen raus.

Das zweite Haus macht auch nicht mit,
er will keinen Teilzahlungskredit
und lieber mit ´nem Otter raufen,
als da so´n Ding auf Stotter kaufen.

Den dritten Wagen er verschmäht,
nennt diesen "Schlagloch-Suchgerät",
beim Vierten treibt er´s auf die Spitze,
will Stellungen für die Liegesitze
und kommt am Abend dann zum Schluß:
"Ich geh´ doch lieber zu Fuß!"

Mariechen öffnet ihm die Tür
und ruft gespannt: "Ich wart´ auf dir!
Was´n los? Haste´n Wagen?"
"Nee, viel, viel besser: Darfst mich tragen!"






Die Sommerreise

"Es ist nun Zeit", spricht Walther weise,
"für uns´re alljährliche Reise!"
In aller Ruhe sucht er aus
und sagt: "Wir nehm´n Sommerhaus.
Wir fahr´n in Europas Norden
zu den Lappen an den Fjorden."

Um sich Kosten zu erspar´n,
will er mit einem Kutter fahr´n,
doch dieser morsche, alte Kutter
ging höchstens durch als Walfisch-Futter,
und kaum nachdem die Fahrt anfing,
Waltherchen über der Reling hing!

Mariechen lachte, wollte protzen,
doch gleich darauf muß auch sie
Das Schiff lag tief, so überladen,
das Wasser stand schon Strich zwei Faden,
doch Wachtels, wenn auch stark verbleicht,
ha´m schließlich doch noch Land erreicht.

Und kaum war Waltherchen an Land,
war alles schon in deutscher Hand.
Er sagte: "Billige Gegend hier!
Man braucht noch nichtmal Klopapier,
braucht keine Feudel Wisch-Attrappen,
man greift sich einfach einen Lappen!"
"Sieht du da vorn´ den schlappen Lappen,
mit seinen großen lappen Schlappen?
Wie sagte schon mein Zeichenlehrer:
das sind doch alles Leichenzehrer!
Die aßen von Freund Ben die Reste;
ich esse nur vom Ren das Beste!"

Mariechen fragt: "Ich will nich´ prahl´n,
sind das denn wirklich Kannibalen?"
"´türlich!" ruft ihr Walther zu.

"Denkste ich lüge, blöde Kuh?"

Darauf fängt Marie an zu rangeln.
Aus Trotz sagt Walther: "Ich geh´ angeln!"
und hält ´nen Wurm zum Überfluß
zwei Stunden zum Baden in den Fluß.
Er kann die Ruhe nicht verlier´n,
Walther ist eben gut zu Tieren.

"Wenn ich nichts fang´", spricht Walther d´rauf,
"kauf´ ich ´nen Colt und häng´ mich auf."
Er läuft zum Haus, vom Angeln schlapp
und ruft erregt: "Wir reisen ab!"

Im Rückblick auf die Hinfahrt soff er,
Mariechen packt derzeit die Koffer.
Zu Hause braucht ´ne Pille Spalt® er,
Mariechen sagt nur: "Mein Gott Walther!"



(Mike Krüger)



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